Am oberen Hauptmarkt in Gotha

Bis zum Jahr 1895 stand am oberen Hauptmarkt die Bergmühle, 1378 erstmals urkundlich erwähnt und wahrscheinlich unmittelbar nach dem Bau des Leinakanals errichtet. Nach Kassel-Wilhelmshöher Vorbild wurde nach dem Abriss der Bergmühle im Zuge der Hauptmarktneugestaltung am Schlossberg ein künstlicher kaskadenartige Abfluss für den Leinakanal in nur sechs Monaten Bauzeit errichtet, die Wasserkunst (Einweihungsfeiern am 15. und 31.10.1895). Unter Regie des Gothaer Tiefbauingenieurs Hugo Mairich (1863-1904) entstand eine städtebauliches Wahrzeichen, das bis heute seinen Reiz nicht verloren hat und das wohl mit ausschlaggebend für den weiteren Betrieb des Leinakanals ist. In einer Nische des Kellers wurde vom Freundeskreis Leinakanal eine Bronze-Büste von Ingenieur Hugo Mairich aufgestellt. Mairich war auch der Projektant der Gothaer Straßenbefestigung und Wasserversorgung sowie der Erbauer der alten Gothaer Talsperre in Tambach-Dietharz, eine der ersten Sperrmauern Deutschlands und entscheidender Trinkwasserlieferant für die Stadt Gotha. Seit einigen Jahren führt jeweils am 12. Juli der Freundeskreis zum Geburtstag von Hugo Mairich ein ehrendes Gedenken an der Wasserkunst oder auf dem Hauptfriedhof durch.

Wasserkunst am oberen Hauptmarkt vom Riesenrad beim Gothardusfest
Wasserkunst am oberen Hauptmarkt vom Riesenrad beim Gothardusfest
Oberer Abschnitt der Wasserkunst mit Springbrunnen
Oberer Abschnitt der Wasserkunst mit Springbrunnen

Historische Pumpanlage der Wasserkunst

Die Pumpanlage entstand 1895 mit dem Bau der Wasserkunst im Keller des Lucas-Cranach-Hauses und verrichtet bis heute ihren Dienst. Das Prinzip ist: Leinakanalwasser hebt Leinakanalwasser. 200 qm Wasser pro Stunde gelangen vom Revisionschacht am Schlossberg durch ein 400 mm-Rohr, das mittels eines Schiebers geöffnet wird, auf das Rad einer Francisturbine der Gothaer Maschinenfabrik Brigleb & Hansen. Von der Turbine wird über zwei 9 m und 13 m lange Transmissionsriemen (früher Zahnradtrieb) eine Doppelkolbenpumpe mit Ledermanschetten angetrieben, welche das Wasser ihrerseits in den sogenannten Windkessel und einer zweiten Druckleitung 22 m hoch zur Fontäne befördert. Gleichzeit wurde bis 1950 ein Generator betrieben, der Gleichstrom für die Gothaer Straßenbeleuchtung erzeugte. Generator, Schalttafel und Isolatoren sind ebenfalls noch zu besichtigen. Wegen des häufigen Wassermangels ist seit 1999 eine elektrische Pumpe mit 4 kW in Betrieb.

Historisches Pumpwerk von 1875 im Keller des Lucas-Cranach-Hauses
Historisches Pumpwerk von 1875 im Keller des Lucas-Cranach-Hauses
Gusseisentafel zur 500-Jahrfeier der Wasserkunst 1869 angebracht
Gusseisentafel zur 500-Jahrfeier der Wasserkunst 1869 angebracht

Leinakanal-Ausstellung im Lucas-Cranach-Haus

Im Lucas-Cranach-Haus am Hauptmarkt 17 wurde Barbara Brengebier, die Frau des berühmten Malers der Renaissance, geboren – das Familiendoppelwappen (Schlange und Tasche) sind auf einer Sandsteintafel am Portal angebracht. Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) wohnte zu Beginn des 16. Jh. im Vorgängerbau, welcher 1632 dem großen Stadtbrand zum Opfer fiel. Das dreigeschossige Barockgebäude diente in den vergangenen Jahrzehnten verschiedenen Zwecken, so als Schule, als Haus der Dienste und seit Ende der 1990er-Jahre als Vereinshaus. Der Keller mit dem wunderschönen Kreuzgewölbe war noch bis vor 25 Jahren der Kohlenkeller. Die Stadt Gotha stellte ihn dem Arbeits- bzw. Freundekreis Leinakanal für die kleine Ausstellung zur Verfügung.

Umschrift auf der historischen Steintafel am Schlussstein
Umschrift auf der historischen Steintafel am Schlussstein
Unterer Abschnitt der Wasserkunst mit Kaskaden und Schlussstein
Unterer Abschnitt der Wasserkunst mit Kaskaden und Schlussstein