Bau der Wasserbrücke

Das Aquädukt bei Leina/Sundhausen wurde während des Baus der Bahnstrecke Gotha-Eisenach 1845/47 errichtet. Mit Genehmigung des Gesamtprojektes der Thüringer Eisenbahn von Apolda nach Gerstungen durch das Preußische Ministerium im Oktober 1844 waren auch die Weichen für die Errichtung einer Kanalbrücke zur Überführung des Leinakanals am Kilometer 141,923 gestellt. Die genaue Position ergab sich nach der durchgehenden Vermessung für die Linienführung Halle-Guntershausen. Dies ist die höchste Stelle der Bahn auf der gesamten Strecke. Unmittelbar nachdem der Einschnitt in den Memelberg von Richtung Gotha hergestellt war, konnte im Frühjahr 1847 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der vorherige Verlauf des Kanalbettes befand sich ca. 200 m spitzwinklig zur heutigen Querung in Richtung Fröttstädt.

Es entstand eine dreiteilige Gewölbebrücke, auf der eine Betonwanne für das Wasser des Kanals aufgebracht wurde. Als Baustoffe wurden in der Hauptsache Kalksteine aus einem Bruch bei Teutleben, für filigrane Bauteile Seebergsandstein, verarbeitet. Kurioserweise befindet sich die Oberkante des Bauwerkes auf einer Höhe von 333,000 m über NN, ob das beabsichtigt war, oder sich zufällig so ergeben hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Ursprünglich für eingleisige Betriebsführung ausgelegt, wurde es unter dem Mittelbogen, dessen lichte Durchfahrtsöffnung 7,54 m betrug, bald zu eng. Im Zuge des Ausbaues der ehemaligen Blockstelle "Leinacanal" zu einem Kreuzungs- und Überholungsbahnhof im Jahre 1912 wurden die mittleren Stützpfeiler ausgespart, um Platz zu gewinnen.

Instandsetzungen

Weitere Arbeiten erfolgten an der Überführung im Zuge der Erweiterung des Bahnhofs Leinakanal in den Jahren 1934/36. Zu dieser Zeit wurden auch die wasserseitigen Bleidichtungen, die Ziegelvorblendung und die Rinnenauskleidung instandgesetzt - wahrscheinlich die letzte grundhafte Reparatur an der Bogenbrücke. Damals wurde auch der nördliche Bogen geschlossen, um Raum für ein Materialmagazin zu schaffen. Die Bahnmeisterei Gotha II hatte die Gleisanlagen von der Brücke am Erbprinzen in Sundhausen bis kurz vor dem Bahnhof Fröttstädt einschließlich der vier Gleise am Bahnhof Leinakanal zu unterhalten. Aufgrund der vielen Mitarbeiter aus der Gemeinde Leina wurde diese Bahnmeisterei von den Gothaern stets als "Bm Lin" bezeichnet.

Sanierung: Einbau einer neuen Edelstahlwanne, 2004
Sanierung: Einbau einer neuen Edelstahlwanne, 2004
Aquädukt, 2013
Aquädukt, 2013
Querschnitt, G. Rennau, 2006
Querschnitt, G. Rennau, 2006

Die Wasser­wirtschafts­direktion Eisenach übernimmt

Die Pflichten der Deutschen Reichsbahn am Aquädukt wurden im Jahre 1955 mit der staatlich verfügten Zuständigkeitsbereinigung bei Kreuzungen von Objekten verschiedener Versorgungsträger beendet. Am 22. Februar 1955 wurde es zum Zeitwert von 16,72 Mio. Mark an die Wasserwirtschaftsdirektion Eisenach übergeben. Mit Einführung eines größeren Lichtraumprofiles im Rahmen von Verpflichtungen der Deutschen Reichsbahn gegenüber internationalen Eisenbahnabkommen wurde die Durchfahrtsöffnung in den 70er Jahren abermals erweitert. Seinerzeit wurde auch geprüft, ob der nördliche Bogen geöffnet und somit je eine separate Durchfahrtsöffnung für die beiden Betriebsgleise hergestellt werden könne. Ob der Status des Aquädukts als technisches Denkmal (seit 1978) oder fehlende Baukapazität dies verhinderte, ist nie bekannt geworden.

Das Dükerbauwerk für die Bahntrasse

Noch größere Veränderungen erlebte der Kanal 1995. Im Zuge des Streckenausbaus und der Elektrifizierung der IC-Trasse Neudietendorf-Eisenach wurde zur Umgehung dieser Engstelle 1996 die Nordumfahrung Leinakanal am ehemaligen gleichnamigen Betriebsbahnhof errichtet. So entstand am Aquädukt ein ca. 30 m langer Düker, in dem das Wasser unter der neuen Bahntrasse auf die andere Seite geführt wird.
Das Wasser gelangt nach dem Prinzip der verbundenen Röhren durch die Unterführung. Der ökologische, technische und vor allem der denkmalpflegerische Aspekt dieser Variante ist bei Naturschützern und Kanalliebhabern sehr umstritten. Mit der letzten Zugfahrt am 3. Dezember 1994 um 16.14 Uhr hat das Bauwerk laut Verkehrswegeplan der BRD seinen Zweck erfüllt. 

Das denkmalgeschützte, über 175 Jahre alte Bauwerk, bekam 2003 eine frostsichere Edelstahlwanne mit einer neuen Zielsteinverblendung. Nach Inbetriebnahme der Nordumfahrung und dem Rückbau der Gleisanlagen von Kilometer 141,5 bis 143,4 wurden entlang der alter Trasse fast alle Abdeckungen der Zwischenschächte der Entwässerungsanlagen entwendet und die Schächte teils mit Müll oder Bauschutt verfüllt. Es ist seit ca. 25 Jahren feststellbar, dass kaum noch eine Wasserabführung stattfindet und dass das gesamte Terrain der ehemaligen Trasse mehr und mehr zur Mülldeponie verkommt. Seitdem wartet das in der Architekturwerkstatt von Friedrich Schinkel entworfene gusseisernes Gitter bis heute auf die Restaurierung sowie der gesamte Bauwerkskörper auf eine grundlegende Sanierung.

Die Schäden (1995 bis heute)

Der Freundeskreis Leinakanal e.V. hat jahrelang mit Unterstützung der Stadt Gotha Arbeitseinsätze zur Müllentsorgung und Bewuchspflege durchgeführt. Danach sollte sich der im Landkreis Gotha gegründete Gewässerunterhaltungsverband um Sanierung und Erhaltungsmaßnahmen des Leinakanals bemühen. Bei Objektbegehungen wurde festgestellt, dass an der Gurtabdeckung des Aquäduktbauwerkes mechanische Veränderungen vorgehen. Ein vom GUV beauftragtes lizenziertes Vermessungsbüro richtete Festpunkte ein und führte monatlich Messungen durch. Seit längerer Zeit neigte sich das Bauwerk um mehr als 5 mm in westliche Richtung, und verschiebt sich auch in der Längsachse. Nach Ansicht eines vom Verband hinzugezogenen Tiefbaugutachters könnten die Setzungen auf die totale Durchnässung des Untergrundes zurück zu führen sein. Der Baugrund, Tonstein, ist sehr tragfähig – aber nur so lange er trocken bleibt. Der GUV ist jedoch laut seiner Zweckbestimmung für die Erhaltung der Gewässer zuständig – nicht für die Bauwerke. Bitten und Rücksprachen bei Zuständigen der DB AG, um eine Wiederherstellung der Entwässerungsanlagen blieben erfolglos. Jahrelanger Streit um die Wartung der Laubfänge und Rechen zwischen der Stadt Gotha, als zuständig für Gewässer 2. Ordnung und der Deutschen Bahn führten zu Rückstau und Durchnässung des gesamten Bauwerkes. Die eingebaute Wanne aus Edelstahl änderte wenig, da sie flutseitig nicht ausreichend abgedichtet war. Erst als 2010 eine Verlängerung vorgenommen wurde, besserte sich dieser Zustand.

Die ungeklärten Eigentumsverhältnisse (1956, 1992/95, 2018ff.)

1958 wurde das Aquädukt als technisches Denkmal in die Denkmalliste des Bezirkes Erfurt aufgenommen und nach 1990 als Kulturdenkmal ausgewiesen. Auf der Grundlage der gesetzlichen Rechtsträgerbereinigung, nachdem derjenige Eigentümer ist, der die obere Ebene eines Überführungsbauwerkes nutzt, wurde das Bauwerk 1956 an die Wasserwirtschaftsdirektion Werra-Gera-Saale übergeben. Laut Recherchen des Freundeskreises Leinakanal soll die Deutsche Reichsbahn 1992 im Planfeststellungsverfahren der Neubaustrecke zur Erhaltung des verkehrstechnischen Denkmals Aquädukt verpflichtet worden sein. 2018 begründete die DB Netze auf Anfrage des FK Leinakanal, dass nach dem Vermögenszuordnungsverfahren der Stadt Gotha die Unterhaltspflicht obliegt. Danach beantragten die Stadt und das Umweltamt/Untere Wasserbehörde beim Landratsamt Gotha, dass die Pflicht zur Unterhaltung des Aquädukt-Bauwerks dem Gewässerunterhaltungsverband (GUV) Flößgraben/Leina zufällt. Bei diesen Ansätzen ist es geblieben. Quintessenz: Nach dem Neubau der Nordumfahrung der ICE-Strecke begann der bis heute ungeklärte Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bahn AG, der Stadt Gotha und dem GUV um das Eigentum des Aquädukts, einschließlich der Pflege- und Sanierungsmaßnahmen.