Die Quellflüsse
Die Leina
Der erste Quellfluss des Leinakanals ist die Wilde Leina. Unterhalb des Possenröder Kreuzes am Rennsteig auf 684 m über NN entspringt in der sogenannten Laubhohle aus mehreren sickernassen Rasen- und Geröllstücken der Leinaborn. Dieser bildet aus schmalen Rinnsalen die Quelle der Wilden Leina. Die Hauptquelle hat eine Einfassung aus Natursteinen und ein Hinweisschild. Alsdann wird der muntere Gebirgsbach vom Eisbrunnen oder Eisborn, dieser wiederum vom Drusenborn, auch Trockene Leina genannt, verstärkt. Ein weiterer Quellbach, der Frosch, bildet an der Wachtwiese drei kleine Teiche und speist dann den Brandleiteteich, um mit dessen Überlauf die Wilde Leina weiter mit Wasser zu versorgen. Diese verläuft nun unmittelbar neben dem Teich.

Nachdem die Wilde Leina die Bundesstraße B 88 unterquert hat, eilt sie direkt am Waldschwimmbad von Schönau v.d.W. vorbei. Am letzten Zipfel des Schwimmbadgeländes befindet sich der Abschlag des Kleinen Leinakanals. Der Leinakanal strebt ab Emleben mit dem Wasser des Flößgrabensbzw. der Apfelstädt und dann in Gotha mit dem Wiegwasser zum Wilden Graben/Flutgraben, danach in die Nesse, und diese ebenfalls in die Hörsel.
Die Apfelstädt
Der Flößgraben erhält sein Wasser aus dem Einzugsgebiet der Apfelstädt am sogenannten Teiler. Dieser befindet sich am südwestlichen Ortsausgang von Georgenthal an der B 88 in Richtung Friedrichroda, unmittelbar linker Hand nach dem Abzweig der Landstraße L 1028, die nach Tambach-Dietharz führt. Unterhalb des Hammerteiches wird über ein kleines Aquädukt noch einmal Apfelstädtwasser in den Flößgraben eingeleitet.
Der größte Fluss des Landkreises Gotha mit einer Länge von ca. 34 km entspringt unterhalb des Rennsteigs am Fuße der Schmalkalder Loibe in 734 m ü. NN ca. fünf Kilometer südwestlich von Tambach-Dietharz.

Das Wasser fließt weiter in die Unstrut, Saale und schließlich in die Elbe. Das besondere an diesem Fluss ist, dass der von ihm abgezweigte Flößgraben mit dem vereinten Kleinen Leinakanal die Wasserscheide Elbe/ Weser überschreitet. Wegen des größeren Einzugsgebietes wird heute der Leinakanal in der Hauptsache vom Wasser der Apfelstädt gespeist.
Die wichtigsten Bauwerke
Der Abschlag des Kleinen Leinakanals befindet sich am Schwimmbad in Schönau v.d.W. Von dort hat sein Baumeister, wahrscheinlich Balthasars Werkmeister Conradus, den Graben mit einfachsten Werkzeugen und in geringem Gefälle von durchschnittlich 2,3 Promille an den Kehren und Windungen der Berghänge entlanggeführt. Wegen dieser technischen Meisterleistung bezeichnen die Mitglieder des Freundeskreises ihn als „(ur)alten Schlingel“.
In Emleben mündet der vom Georgenthaler Teiler abgezweigte Flößgraben in die Kleine Leina. Das vereinte Fließgewässer heißt nun Leinakanal und hat die Wasserscheide Weser-Elbe überwunden, da das Wasser aus zwei verschiedenen Einzugsgebieten stammt. Insgesamt misst der Kanal 28,6 km, während die Luftlinie vom Abschlag in Schönau bis zur Alten Münze in Gotha nur ca. 12 km beträgt. Zwischen Leina und Sundhausen passiert das Wasser den 1845 errichteten Aquädukt. Seit 1994 wird es durch einen Düker unter der neuen Eisenbahntrasse geleitet, wodurch die denkmalgeschützte Kanalbrücke ihre Bedeutung verloren hat und immer mehr verfällt.
Am Kanalsystem befinden oder befanden sich zahlreiche Durchlässe als Brücken und Furten sowie Schwemmen, Abschläge, Wehre und andere wasserbautechnische Anlagen. Zahlreiche Mühlen (u.a. Emleber Mühle, Sundhäuser Mühle, Leinamühle, Massemühle) entstanden am Kanal und verschwanden wieder im Laufe der Jahrhunderte. Eine der wichtigsten Malmühlen war die Bergmühle aus dem Jahre 1378, die sich innerhalb der ummauerten Stadt befand. Sie wurde 1895 abgerissen und dafür von Ingenieur Hugo Mairich eine Wasserkunst nach dem Vorbild der Kasseler Wilhelmshöhe als Touristenattraktion errichtet. Leinakanalwasser hebt Leinakanalwasser dazu in der historischen Pumpanlage im Keller des Lucas-Cranach-Hauses. In früheren Zeiten wurde auf Weisung des Gothaer Stadtrates und unter Aufsicht der Wasservögte von den Wasserknechten und Anliegern regelmäßig eine Leinafege durchgeführt, um das Gewässer durchgängig zu halten. Die beiden Gothaer Parkteiche werden heute noch vom Wasser des Leinakanals gespeist.



