Die Quellflüsse

Die Leina

Der erste Quellfluss des Leinakanals ist die Wilde Leina. Unterhalb des Possenröder Kreuzes am Rennsteig auf 684 m über NN entspringt in der sogenannten Laubhohle aus mehreren sickernassen Rasen- und Geröllstücken der Leinaborn. Dieser bildet aus schmalen Rinnsalen die Quelle der Wilden Leina. Die Hauptquelle hat eine Einfassung aus Natursteinen und ein Hinweisschild. Alsdann wird der muntere Gebirgsbach vom Eisbrunnen oder Eisborn, dieser wiederum vom Drusenborn, auch Trockene Leina genannt, verstärkt. Ein weiterer Quellbach, der Frosch, bildet an der Wachtwiese drei kleine Teiche und speist dann den Brandleiteteich, um mit dessen Überlauf die Wilde Leina weiter mit Wasser zu versorgen. Diese verläuft nun unmittelbar neben dem Teich.

Die Leina-Quelle (Leinaborn) am Possenröder Kreuz
Die Leina-Quelle (Leinaborn) am Possenröder Kreuz
Weiter flussabwärts passiert das Gewässer nun die Sängerbrücke, das ehemalige Oschmannsche Sägewerk, einen Lehrpfad, das romantische untere Leinatal bei Finsterbergen mit der Totenbrücke, einer Furt zum Wiesenweg im Ochsenbruch und der Lehnertsmühle. Danach erhält der Bach Verstärkung vom Rosenbach und in Höhe der Steigermühle vom Körnbergswasser. Die Wilde Leina fließt nun in einem immer breiter werdenden Tal zum unteren Ortsteil von Engelsbach, wo der Engelsbrunnen aufgenommen wird.

Nachdem die Wilde Leina die Bundesstraße B 88 unterquert hat, eilt sie direkt am Waldschwimmbad von Schönau v.d.W. vorbei. Am letzten Zipfel des Schwimmbadgeländes befindet sich der Abschlag des Kleinen Leinakanals. Der Leinakanal strebt ab Emleben mit dem Wasser des Flößgrabensbzw. der Apfelstädt und dann in Gotha mit dem Wiegwasser zum Wilden Graben/Flutgraben, danach in die Nesse, und diese ebenfalls in die Hörsel.
Die Leina passiert nun das Dorf und verlässt es in Höhe des Gewerbegebietes. Bevor der Reutenberg tangiert wird, ist noch eine Furt zu sehen, die für die Fahrzeuge der Landwirtschaft genutzt wird. Nach dem Unterqueren der Kreisstraße K 6 strebt der Fluss dem Dorf Leina zu, vereinigt sich dort mit dem abgeschlagenen Mühlgraben und mit dem Altenwasser, welches mit dem Leinakanal in Emleben verbunden ist. Nun trifft die Leina auf den Durchlass der Bundesautobahn A 4. Ab hier heisst das Gewässer II. Ordnung offiziell Hörsel. Ein Hochwasserüberlauf endet ebenfalls in Höhe der Autobahnbrück in die Hörsel. Die Hörsel nimmt in Eisenach die Nesse auf, fließt bei Hörschel in die Werra, um danach mit der Fulda vereint als Weser in die Nordsee zu münden.


Die Apfelstädt

Der Flößgraben erhält sein Wasser aus dem Einzugsgebiet der Apfelstädt am sogenannten Teiler. Dieser befindet sich am südwestlichen Ortsausgang von Georgenthal an der B 88 in Richtung Friedrichroda, unmittelbar linker Hand nach dem Abzweig der Landstraße L 1028, die nach Tambach-Dietharz führt. Unterhalb des Hammerteiches wird über ein kleines Aquädukt noch einmal Apfelstädtwasser in den Flößgraben eingeleitet.

Der größte Fluss des Landkreises Gotha mit einer Länge von ca. 34 km entspringt unterhalb des Rennsteigs am Fuße der Schmalkalder Loibe in 734 m ü. NN ca. fünf Kilometer südwestlich von Tambach-Dietharz.

Er durchfließt die Gemarkungen Tambach-Dietharz, Georgenthal, Catterfeld, Herrenhof, Hohenkirchen, Schwabhausen, Wechmar, Wandersleben, Apfelstädt, Neudietendorf und Ingersleben. Größere Zuflüsse sind die Ohra nördlich von Ohrdruf und der Mühlberger Waidbach bei Neudietendorf. Der Fluss mündet nahe der zu Ingersleben gehörenden Siedlung Marienthal in die Gera, wobei die Mündung bereits auf dem Gebiet des Erfurter Ortsteils Molsdorf liegt.

Das Wasser fließt weiter in die Unstrut, Saale und schließlich in die Elbe. Das besondere an diesem Fluss ist, dass der von ihm abgezweigte Flößgraben mit dem vereinten Kleinen Leinakanal die Wasserscheide Elbe/ Weser überschreitet. Wegen des größeren Einzugsgebietes wird heute der Leinakanal in der Hauptsache vom Wasser der Apfelstädt gespeist.

Die wichtigsten Bauwerke                                        

                                                

Der Abschlag des Kleinen Leinakanals befindet sich am Schwimmbad in Schönau v.d.W. Von dort hat sein Baumeister, wahrscheinlich Balthasars Werkmeister Conradus, den Graben mit einfachsten Werkzeugen und in geringem Gefälle von durchschnittlich 2,3 Promille an den Kehren und Windungen der Berghänge entlanggeführt. Wegen dieser technischen Meisterleistung bezeichnen die Mitglieder des Freundeskreises ihn als „(ur)alten Schlingel“.

In Emleben mündet der vom Georgenthaler Teiler abgezweigte Flößgraben in die Kleine Leina. Das vereinte Fließgewässer heißt nun Leinakanal und hat die Wasserscheide Weser-Elbe überwunden, da das Wasser aus zwei verschiedenen Einzugsgebieten stammt. Insgesamt misst der Kanal 28,6 km, während die Luftlinie vom Abschlag in Schönau bis zur Alten Münze in Gotha nur ca. 12 km beträgt. Zwischen Leina und Sundhausen passiert das Wasser den 1845 errichteten Aquädukt. Seit 1994 wird es durch einen Düker unter der neuen Eisenbahntrasse geleitet, wodurch die denkmalgeschützte Kanalbrücke ihre Bedeutung verloren hat und  immer mehr verfällt.

Am Kanalsystem befinden oder befanden sich zahlreiche Durchlässe als Brücken und Furten sowie Schwemmen, Abschläge, Wehre und andere wasserbautechnische Anlagen. Zahlreiche Mühlen (u.a. Emleber Mühle, Sundhäuser Mühle, Leinamühle, Massemühle) entstanden am Kanal und verschwanden wieder im Laufe der Jahrhunderte. Eine der wichtigsten Malmühlen war die Bergmühle aus dem Jahre 1378, die sich innerhalb der ummauerten Stadt befand. Sie wurde 1895 abgerissen und dafür von Ingenieur Hugo Mairich eine Wasserkunst nach dem Vorbild der Kasseler Wilhelmshöhe als Touristenattraktion errichtet. Leinakanalwasser hebt Leinakanalwasser dazu in der historischen Pumpanlage im Keller des Lucas-Cranach-Hauses. In früheren Zeiten wurde auf Weisung des Gothaer Stadtrates und unter Aufsicht der Wasservögte von den Wasserknechten und Anliegern regelmäßig eine Leinafege durchgeführt, um das Gewässer durchgängig zu halten. Die beiden Gothaer Parkteiche werden heute noch vom Wasser des Leinakanals gespeist.

Der Abschlag des Leinakanals von der Leina
Der Abschlag des Leinakanals von der Leina
Der Beginn des Flößgrabens am Georgenthaler Teiler
Der Beginn des Flößgrabens am Georgenthaler Teiler
Zusammenfluss von Kleinem Leinakanal und Flößgraben in Emleben
Zusammenfluss von Kleinem Leinakanal und Flößgraben in Emleben
Das Aquädukt vor 1994 mit Eisenbahnverkehr
Das Aquädukt vor 1994 mit Eisenbahnverkehr