09.02.2026
Gotha
LeinakanalAquäduktSanierungGothaBürgermeister

von Ralf Ehrlich, Lokalreporter Thüringer Allgemeine
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Teures Denkmal: Stadt Gotha will nicht „den Doofen“ spielen

Sanierungskosten von über 800.000 Euro stehen im Raum und treffen den Eigentümer. Die Stadt Gotha will das über 180 Jahre alte Bauwerk nicht und klagt dagegen

Gotha. „Wir wehren uns, hier den Doofen zu spielen", sagte Knut Kreuch (SPD) dieser Tage vor dem Gothaer Stadtrat. Die Stadt Gotha sei nicht Eigentümer des Aquädukts des Leinakanals, so fasst der Oberbürgermeister die Rechtsauffassung der Stadt zusammen. Derzeit habe die Stadt Klage eingereicht. Niemand wisse, wie lange der Rechtsweg dauere. Ziel sei festzustellen, dass die Zuordnung des Bauwerks durch das Bundesamt für offene Vermögensfragen zur Stadt nicht rechtens ist.
Nach Auffassung der Stadt sei der Bund, ersatzweise das Land Thüringen, für das Bauwerk und damit die Sanierung zuständig. Nach einer Projektarbeit der Gothaer Bauschule geht es dabei um rund 831.000 Euro. „Nichtsdestotrotz sieht die Stadtverwaltung die Notwendigkeit, dass etwas getan werden muss", so der Oberbürgermeister weiter.

Das Aquädukt bei Leina/Sundhausen wurde während des Baus der Eisenbahnstrecke Gotha-Eisenach 1845/47 errichtet. Hier überquert der Leinakanal die ehemalige Bahnstrecke.   Dirk Bernkopf/Archiv
Das Aquädukt bei Leina/Sundhausen wurde während des Baus der Eisenbahnstrecke Gotha-Eisenach 1845/47 errichtet. Hier überquert der Leinakanal die ehemalige Bahnstrecke. Dirk Bernkopf/Archiv

Wildwuchs zurückschneiden wäre eine Maßnahme
Gotha sei mit dem Gewässerunterhaltungsverband im Gespräch, ob es kleinere Instandhaltungsmaßnahmen am Aquädukt geben könne. Auch könne sich Kreuch vorstellen, dass die Stadt den Verein Freundeskreis Leinakanal unterstützt, den Wildwuchs zurückzuschneiden. Aber das Durchschnittsalter im Verein sei hoch.

Das bestätigt dessen Vorsitzender Hans-Georg Kühm. Zwischen 70 und 91 Jahre seien die Vereinsmitglieder alt. Er bezweifelt, ob da größere Arbeitseinsätze möglich sind. Kühm sagt, es würde durchaus etwas bringen, rechts und links vom Bauwerk fünf Meter freizuschneiden.

Solange aber kein Eigentümer feststehe, seien auch dem Verein mit Blick auf eine Sanierung die Hände gebunden. Der Verein könne nur darauf hinweisen, dass das Aquädukt als denkmalgeschütztes und erhaltenswertes Bauwerk eingestuft ist.

Dass das Aquädukt dringend sanierungsbedürftig ist, sei lange bekannt. Aber nur der Eigentümer könne auch Fördermittel beantragen, so Kühm. Das Thema kam auf Initiative der CDU-Fraktion auf die Tagesordnung im Stadtrat.

Das über 180 Jahre alte Aquädukt am Leinakanal stelle als technisches Denkmal ein bedeutendes historisches Bauwerk für Gotha dar, hieß es in der Anfrage. Es sichere nicht nur den Wasserzufluss für die Wasserkunst und den Parkteich, sondern sei auch ein wichtiger Bestandteil des regionalen Radwegenetzes gewesen.

Aufgrund des schlechten baulichen Zustands hatte sich die Stadtverwaltung 2025 gezwungen gesehen, das Bauwerk für Radfahrer und Wanderer zu sperren. Da die Eigentumsverhältnisse und die damit verbundene Sanierungspflicht seit Jahrzehnten zwischen der Stadt, der Deutschen Bahn und dem Bund umstritten sind, bestehe dringender Klärungsbedarf, um den weiteren Verfall zu stoppen.