Seine Geschichten bleiben – Abschied von einem unermüdlichen Gothaer Heimatfreund
Wahlwinkel. Mit Wolfgang Möller verliert das Gothaer Land einen engagierten Chronisten, Autor und langjährigen freien Mitarbeiter unserer Zeitung.
Von Wieland Fischer, TA - Leiter Lokalredaktion Gotha, 21.07.2026
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Der Leinakanal ist für Wolfgang Möller weit mehr als ein Gewässer – er ist ein Stück Heimat, ein Lebenselixier. Der Erhalt und die Geschichte des „Alten Schlingels“ geben ihm immer wieder neue Kraft und Motivation, selbst als ihn eine schwere Krankheit zeichnet. Er packt tatkräftig mit an, übernimmt zeitweise den Vorsitz des Vereins und setzt sich mit ganzer Leidenschaft für den historischen Wasserlauf ein. Nun ist dieses Kapitel abgeschlossen: Der Heimatfreund, Autor und langjährige freie Mitarbeiter unserer Redaktion ist gestorben.
Frühe Prägungen zwischen Flucht, Natur und Sport
An der Salzmannschule legt Wolfgang Möller das Abitur ab und fühlt sich dieser reformpädagogischen Einrichtung, die den Idealen des Philanthropismus verpflichtet ist, sein Leben lang eng verbunden. Hier erwacht seine Liebe zur Natur und zur Geschichte – eine Begeisterung, die ihn nie mehr loslässt und sein gesamtes Leben prägt.

Zunächst erlernt er den Beruf des Facharbeiters für Gummiverarbeitung im VEB Gummikombinat Thüringen und arbeitet im Betriebsteil Hörselgau. Jahrzehnte später widmet er sich mit Herzblut dem Aufbau des Traditionskabinetts der ehemaligen Gummibude – ein Zeichen seiner Verbundenheit mit der Industriegeschichte seiner Heimat.
Doch 1966 schlägt sein Leben eine neue Richtung ein. Er nimmt an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig ein Studium der Fächer Sport und Biologie auf und wird Lehrer. Das Ringen entwickelt sich zu seiner zweiten großen Leidenschaft. Der Sport schenkt dem schmächtigen Jungen Selbstvertrauen und die Erfahrung, auch scheinbar Überlegenen mutig entgegenzutreten. Als DTSB-Kreisportlehrer gibt er dieses Selbstbewusstsein und seine Begeisterung an junge Menschen weiter.
Auch die Natur bleibt ein fester Bestandteil seines Lebens. Als Biologe widmet er sich gemeinsam mit seiner Frau Carmen der Bonsai-Zucht in ihrem Zuhause in Wahlwinkel.

Seine Laufbahn als Lehrer beginnt 1970 an der Oberschule Gelenau im Erzgebirge. Doch schon bald spürt er, dass der klassische Schuldienst nicht seiner eigentlichen Berufung entspricht. 1972 wechselt er zum Deutschen Turn- und Sportbund und betreut Ringer sowie Wintersportler. Ab 1983 arbeitet er an der Station „Junger Techniker und Naturforscher“ in Gotha und engagiert sich zugleich ehrenamtlich im Klub der Kulturschaffenden „Hermann Haack“.
Mit der politischen Wende brechen diese beruflichen Strukturen weg. Auch eine kurze Tätigkeit an der damaligen Lenin-Schule in Gotha-West endet. Doch Wolfgang Möller gibt nicht auf. Er arbeitet als Anzeigenverkäufer – augenzwinkernd nennt er sich selbst einen „Türklinkenputzer“ –, ist im Ladenbau tätig, qualifiziert sich zum Technischen Redakteur und wagt schließlich 1994 den Schritt in die Selbstständigkeit als Autor, Gestalter und Verleger.
Mit Herzblut für den Leinakanal und die Geschichte der Region
Mit Schriften wie „Wanderung am Leinakanal“, „Meine Zeit mit Helga“ und „Mein Jahr 1945 – eine Anthologie aus dem Gothaer Land“ bewahrt er regionale Geschichte und persönliche Schicksale vor dem Vergessen.
Ebenso schlägt sein Herz für seine Arbeit als freier Mitarbeiter unserer Zeitung, zuletzt in der Seniorenredaktion. Mit seiner unstillbaren Neugier für Alltag, Kultur, Natur, Sport und Regionalgeschichte entwickelt er sich zu einem geschätzten Berichterstatter. Authentisch, gewissenhaft und zuverlässig erzählt er von den Menschen und ihrer Heimat. Nur mit dem Karneval wird er nie richtig warm. Doch wenn Not am Mann ist, stellt er sich auch dem.
Unermüdlich plant Wolfgang Möller neue Projekte. Seinen Memoiren hat er schon Kapitel gegeben, das letzte hat die Überschrift „203x – bis der Tod scheidet“. Doch das Schicksal schreibt seine eigene Geschichte.
Am 14. Juli 2026 stirbt Wolfgang Möller nach monatelanger schwerer Krankheit. Er hinterlässt seine Frau Carmen, drei Kinder – und Anekdoten, die seine Liebe zur Geschichte und Menschen des Kreises Gotha lebendig halten werden.