24.09.2026
Gotha
LeinakanalAquäduktSanierung

Pro Stunde verliert der Leinakanal am Aquädukt 1200 Liter Wasser

Gotha. Schlimmer als befürchtet: Gothaer Leinakanalfreunde kommen mit einfachen Mitteln zu einem katastrophalen Messergebnis.

Von Dirk Bernkopf, Lokalreporter in Gotha
Thüringer Allgemeine (Gotha) vom 24.09.2026
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Dieser Raum sollte eigentlich trocken sein: Der Bereich unter dem nördlichen Brückengewölbe des Aquädukts bei Gotha wurde einst als Lagerraum von Bahnmitarbeitern genutzt. Inzwischen sprudelt das Wasser aus einer Nische in der Wand. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
Dieser Raum sollte eigentlich trocken sein: Der Bereich unter dem nördlichen Brückengewölbe des Aquädukts bei Gotha wurde einst als Lagerraum von Bahnmitarbeitern genutzt. Inzwischen sprudelt das Wasser aus einer Nische in der Wand. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Das vor rund 180 Jahren erbaute Aquädukt bei Gotha-Sundhausen befindet sich in einem schlechten Zustand. Der Leinakanal verliert an dem Brückenbauwerk viel Wasser. Was nicht schlimm wäre, würde das Wasser nicht ungehindert in das Mauerwerk eindringen – 20 Liter pro Minute. Das sind rund 30 Kubikmeter am Tag.

Dass das Denkmal nasse Füße hat, ist seit Jahren bekannt. Der Freundeskreis Leinakanal bemüht sich aktuell um eine Reparatur. Die Abdichtung der Wasserrinne auf dem Brückenbauwerk ist undicht. Erst im August gab es einen Vororttermin mit einem Vertreter der Eisenacher Firma Hundhausen, einem Spezialisten für Bauabdichtungen.

Vereinsförderung soll Sanierung ermöglichen

„Das Angebot für die Reparatur liegt uns inzwischen vor, aber ich möchte den Auftrag nicht eher auslösen, bevor wir das Geld zur Verfügung haben“, sagt Hans-Georg Kühm, Vorsitzender des Freundeskreises. Für die Abdichtung der Edelstahlwanne werden um die 16.000 Euro veranschlagt. Die Stadt Gotha hatte den Leinakanalfreunden eine entsprechend hohe Vereinsförderung in Aussicht gestellt. Kühm wartet nun sehnsüchtig auf die Überweisung auf das Vereinskonto, denn die Zeit drängt.

Zum einen steht der Zeitraum für eine mögliche Reparatur fest: Am 5. Oktober wird der Leinakanal planmäßig vom Gewässerunterhaltungsverband Hörsel Nesse für drei Wochen abgestellt. Zum anderen ist die ständig in das Mauerwerk eindringende Wassermenge beachtlich.

Mit einem Dachrinneneinlauf, einem Stück Fallrohr, Eimer und Stoppuhr ermittelten Hans-Georg Kühm (links) und Jörg Reda das in das Aquädukt eindringende Leinakanalwasser. © Freundeskreis Leinakanal | Stefan Riede
Mit einem Dachrinneneinlauf, einem Stück Fallrohr, Eimer und Stoppuhr ermittelten Hans-Georg Kühm (links) und Jörg Reda das in das Aquädukt eindringende Leinakanalwasser. © Freundeskreis Leinakanal | Stefan Riede

Drei Leinakanalfreunde wollten es genau wissen und haben sich am Dienstag dieser Woche, 22. September, aufgemacht, die Wassermenge zu messen. „Mit Dachrinneneinlauf, Fallrohr, Eimer und Stoppuhr legten wir los“, berichtet Hans-Georg Kühm.

Die Messung war ziemlich einfach, schließlich plätschert das Wasser seit langer Zeit wie ein Bächlein aus einer Wand in einen ehemaligen Lagerraum im Nordpfeiler des Brückenbauwerks. „Wir haben mehrere identische Messungen durchgeführt, es fließen permanent 15 Liter Wasser in 45 Sekunden durch das Mauerwerk.“ Kühm ist selbst überrascht über das nach seinen Worten katastrophale Ergebnis. „Das sind fast 30.000 Liter, die nur durch die defekte nördliche Abdichtung des Aquädukts in das Bauwerk jeden Tag eindringen.“

Eine Edelstahlwanne leitet das Wasser auf der Nordseite des Aquädukts in einen Düker. Die Wanne ist zu kurz und die Dichtung defekt, sodass hier viel Wasser ins Mauerwerk eindringt. © Wieland Fischer
Eine Edelstahlwanne leitet das Wasser auf der Nordseite des Aquädukts in einen Düker. Die Wanne ist zu kurz und die Dichtung defekt, sodass hier viel Wasser ins Mauerwerk eindringt. © Wieland Fischer

Jetzt hoffen die Leinakanalfreunde, dass die geplante Abdichtung die erhoffte Wirkung zeigt. Aber auch wenn von oben kein Wasser mehr eindringen sollte, muss das Aquädukt dringend saniert werden. Auch der Boden unter der Brücke ist nass, seitdem die Entwässerungsanlagen der Bahn mit der Verlegung der Bahnstrecke aufgegeben wurden. Wiederholte Messungen hatten ergeben, dass sich das Bauwerk neigt. Defekte Fugen, Pflanzenbewuchs und Vandalismus setzen dem Aquädukt weiterhin zu.