Leinakanalfreunde kümmern sich um alte Pumpe der Wasserkunst
Seit 131 Jahren funktioniert die historische Pumpe der Wasserkunst in Gotha. Neue Rohrhülsen schützen nun Technik und Besucher
Dirk Bernkopf, Thüringer Allgemeine (Gotha) vom 19.08.2026
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Gotha. Das ist mal ein Qualitätsprodukt aus Gotha: Die vor 131 Jahren gebaute Pumpanlage am Hauptmarkt ist immer noch funktionstüchtig und könnte noch heute den oberen Springbrunnen der Wasserkunst versorgen, wenn es nicht inzwischen eine elektrische Wasserpumpe erledigen würde – und wenn der Leinakanal mal wieder genug Wasser führen würde. Aber bisweilen benötigt eine solch alte Dame auch etwas Pflege und ein paar neue Teile.
Die Doppelkolbenpumpe von der Gothaer Firma Briegleb & Hansen stammt aus dem Jahr 1895 und steht im Keller des Lucas-Cranach-Hauses am Hauptmarkt. Besonderer Clou: Das Wasser des Leinakanals hebt Leinakanalwasser an. Das Wasser treibt nämlich eine Francisturbine an, die wiederum über zwei Transmissionsriemen die Kolbenpumpe bewegt. Über einen Windkessel und eine 22 Meter lange Druckleitung wird das Wasser zur obersten Fontäne der Wasserkunst befördert.

Zwar wird die Wasserkunst seit 1999 von einer elektrischen 4-kW Pumpe angetrieben, doch die historische Anlage wird immer noch regelmäßig vorgeführt. „Vom Gothardusfest bis zum Tag des offenen Denkmals im September führen wir immer am ersten Mittwoch eines Monats die alte Technik vor“, erklärt Hans-Georg Kühm, Vorsitzender vom Freundeskreis Leinakanal.
Nun mussten zwei Rohrhülsen getauscht werden. Keine große Sache, die Hülsen verdecken die beweglichen Pumpenstößel und dienen gleichermaßen dem Schutz der Maschine vor Schmutz und der Schienbeine der Besucher vor Verletzungen.
„Die alten Hülsen waren einfach durchgerostet und wir suchten nach einer Firma, die diese Hülsen möglichst nah am Original nachbauen kann.“Hans-Georg Kühm fand in Steffen Will von der gleichnamigen Lohnschweißerei aus Schönau vor dem Walde den richtigen Ansprechpartner. Nachdem Kläre Seemann von der unteren Denkmalschutzbehörde ihr Einverständnis gegeben und Thomas Schierkorn, Sachbearbeiter Stadtgrün/Gewässer, den Auftrag ausgelöst hatte, machte sich Will an die Arbeit.
Nachdem die Hülsen im Autohaus Winter noch eine schwarze Lackschicht erhalten hatten, konnten sie von Kühm und Will montiert werden. Thomas Schierkorn und Kläre Seemann zeigten sich mit der Ausführung der Arbeit sehr zufrieden.
Wer sich das technische Denkmal jetzt auch einmal anschauen möchte, der kann zum nächsten Öffnungstag, am Mittwoch, dem 2. September, im Lucas-CranachHaus in Gotha vorbeischauen. Von 11 bis 13 Uhr zeigen Leinakanalfreunde die alte Technik und beantworten die Fragen der Besucher.