24.08.2026
Sundhausen
FKL Freundeskreis Leinakanal e.V.LeinakanalAquäduktHans-Georg Kühm

Leinakanal steht im Schwarzbuch der Denkmalpflege

Gotha. Der marode Aquädukt am Leinakanal bei Gotha steht im Fokus der deutschen Denkmalschützer. Jetzt möchte der Verein die Wasserrinne mit Fördergeldern abdichten lassen.

Von Dirk Bernkopf, Lokalreporter in Gotha, 24.08.2026
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Hans-Georg Kühm (links), Vorsitzender vom Freundeskreis Leinakanal, bespricht mit Bauleiter Nils Möller die Arbeiten zur Abdichtung der Edelstahlwanne. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
Hans-Georg Kühm (links), Vorsitzender vom Freundeskreis Leinakanal, bespricht mit Bauleiter Nils Möller die Arbeiten zur Abdichtung der Edelstahlwanne. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Denkmäler in Deutschland sind oft in einem besorgniserregenden Zustand – ihr Schutz wird immer schwieriger. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Stiftung Denkmalpflege und führt in ihrem in der vergangenen Woche vorgelegten Schwarzbuch der Denkmalpflege zahlreiche Beispiele an. Darin enthalten ist auch der vor rund 180 Jahren erbaute Aquädukt am Leinakanal bei Gotha.

Mit der letzten Zugfahrt unter dem Wasserbrückenbauwerk am 3. Dezember 1994 begann der Streit um das Aquädukt. Keiner wollte das sanierungsbedürftige Zeugnis deutscher Baukunst haben – die Deutsche Bahn nicht, der Bund nicht und die Stadt Gotha auch nicht.

Der Freundeskreis Leinakanal wird nicht müde, ein klares Bekenntnis zur Rettung des Bauwerks einzufordern, und trägt mit Pflegeeinsätzen selbst zum Erhalt des Bauwerks bei. Im Jahr 2003 bekam das Aquädukt eine frostsichere Edelstahlwanne mit einer neuen Ziegelsteinverblendung eingebaut, doch seit geraumer Zeit sind die Fugen zwischen Leinakanalzu- und abfluss undicht.

Ein alter Lagerraum im Aquädukt ist bereits voller Wasser gelaufen. Das Wasser läuft ungehindert durch das Mauerwerk. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
Ein alter Lagerraum im Aquädukt ist bereits voller Wasser gelaufen. Das Wasser läuft ungehindert durch das Mauerwerk. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Wasser dringt ein: Aquädukt zeigt schwere Schäden

Wasser kann ungehindert eindringen und das Mauerwerk beschädigen. Bei einem Vororttermin am Mittwoch, 19. August, plätscherte das Wasser einem Springbrunnen gleich in einen ehemaligen Lagerraum unter dem Brückengewölbe. Auch die Füße des Bauwerks sind nass. Die Talsohle stand unter Wasser.

Mit dem Hinweis, dass das Aquädukt im Grundbuch noch als „Eigentum des Volkes“ eingetragen sei, lehnte die Stadtverwaltung Gotha immer wieder eine Übernahme des sanierungsbedürftigen Denkmals ab. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
Mit dem Hinweis, dass das Aquädukt im Grundbuch noch als „Eigentum des Volkes“ eingetragen sei, lehnte die Stadtverwaltung Gotha immer wieder eine Übernahme des sanierungsbedürftigen Denkmals ab. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Bei diesem Termin zeigte Hand-Georg Kühm, Vorsitzender des Freundeskreises, Bauleiter Nils Möller den Zustand des Aquädukts, insbesondere die defekte Abdichtung. Möller arbeitet für die Eisenacher Firma Hundhausen, einen Spezialisten für Wasserbau und Flächenabdichtung.

„Wir haben von der Stadt Geld aus der Vereinsförderung bekommen. Mit diesem Geld können wir die Fugen endlich abdichten lassen“, erklärt Hans-Georg Kühm. Nils Möller sieht das als machbar an: „Das Wasser muss abgestellt werden, dann benötigen wir möglichst Temperaturen um die zwölf Grad, damit wir unsere flexible Dichtmasse einbringen können. Das ist ungefähr eine Woche Arbeit.“
Eine Nachfrage bei René Schwachheim, Leiter des Gewässerunterhaltungsverbandes Hörsel-Nesse, ergibt, dass der Leinakanal im Herbst wieder für etwa drei Wochen abgestellt wird.

Nun hofft Hans-Georg Kühm, dass das Angebot der Baumaßnahme die Möglichkeiten des Vereins nicht übersteigt. Etwa 15.000 Euro stehen zur Verfügung. Das Aquädukt steht dennoch völlig zu Recht in dem Schwarzbuch, denn eine Sanierung des gesamten Bauwerks ist weiterhin nicht in Sicht, solange die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind. „Die lange Verzögerung könnte das Ende des Denkmals bedeuten“, schreiben die Denkmalschützer im Schwarzbuch und stufen das Denkmal als „gefährdet“ ein.