27.11.2024
Kreis Gotha

Von Dirk Bernkopf , Lokalreporter Gotha

Japanischer Staudenknöterich am Leinakanal

Was der Japan-Knöterich im Kreis Gotha anrichtet

Im Gothaer Schlosspark, direkt am Leinakanal wächst der Japanische Staudenknöterich. Die Parkgärtner beschränken sich auf ein Mähen der Flächen. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
Im Gothaer Schlosspark, direkt am Leinakanal wächst der Japanische Staudenknöterich. Die Parkgärtner beschränken sich auf ein Mähen der Flächen. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Kreis Gotha. Invasive Arten wie der Japanische Staudenknöterich sind schon in der Gothaer Parklandschaft angekommen. Eine Bekämpfung scheint kaum noch möglich. Gothaer Parkgärtner beschränken sich auf eine regelmäßige Mahd.

Im Umgang mit invasiven Arten herrscht nicht immer Einigkeit. Die einen finden das Tier niedlich, die Pflanze prächtig, wieder andere gehen deren konsequente Bekämpfung an. Während man Geschöpfe wie Waschbären, Nilgans oder den amerikanischen Sumpfkrebs wohl nicht so einfach wieder loswird, kann bei Pflanzen jedermann Hand anlegen. Eine ist dabei besonders hartnäckig und verbreitet sich zusehends auch im Landkreis Gotha.

Der Japanische Staudenknöterich siedelt sich besonders gern an Flussläufen, aber auch mitten im Wald an. In ihrer Hauptwachstumsphase kann die Pflanze bis zu 30 Zentimeter pro Tag wachsen! Ist die Pflanze einmal heimisch, ist sie nur schwer zu bekämpfen.

Bestände lassen sich oft nur noch eindämmen

Auch im Kreis Gotha ist dieser Neophyt schon an vielen Stellen anzutreffen. Der Knöterich wächst beispielsweise entlang des Leinakanals und breitet sich auch in Gotha aus – mitten in der englischen Parklandschaft von Schloss Friedenstein!

Auf Anfrage, wie man bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit der invasiven Pflanze umgeht, antwortet Pressereferent Franz Nagel: „Der Japanische Staudenknöterich spielt seit mehreren Jahren in den Gartendenkmalen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten eine Rolle. Er ist einer von zahlreichen Neophyten und aufgrund seiner Wuchsform besonders auffällig. Eine chemische Bekämpfung kommt nicht in Betracht, erst recht nicht an Gewässern. Verhindern lässt sich die Ausbreitung nicht – ähnlich wie bei der Zackenschote, die sich ebenfalls invasiv verbreitet. Durch tiefgründiges Ausstechen ließe sich das Problem eindämmen, dies würde jedoch die Arbeitszeitkapazitäten der Parkpflegeteams bei weitem überfordern. So bleibt im Rahmen der Parkpflege praktisch nur das Abmähen.“

Seit Oktober ist der Japanische Staudenknöterich verblüht. Als Zierpflanze mit filigraner Blüte wurde die invasive Pflanze vor 200 Jahren nach Deutschland gebracht. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
Seit Oktober ist der Japanische Staudenknöterich verblüht. Als Zierpflanze mit filigraner Blüte wurde die invasive Pflanze vor 200 Jahren nach Deutschland gebracht. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

„Die Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs ist sehr aufwendig und nicht immer von Erfolg gekrönt, an manchen Stellen wie Flussufern sogar aussichtslos, die Art wieder loszuwerden. Man kann die Bestände meist nur eindämmen“, sagt die Gothaer Biologin und Gutachterin Cornelia Schuster. „ Ein kleines, nur wenige Zentimeter großes Stückchen seines unterirdisch verlaufenden Rhizom-Geflecht reicht zur Vermehrung aus. Und der Knöterich wurzelt bis zu zwei Meter tief.“

Japanischer Staudenknöterich

Kurzporträt:

Bis zu 3 Meter hohe Staude 
Blätter breit, eiförmig, zugespitzt und ledrig 
Stängel verzweigt, oft dunkelrot gefleckt 
Blütenstand verzweigt und vielblütig, die Blüten sind klein und weiß 
Oberirdische Pflanzenteile sterben im Winter ab, unterirdische Rhizome überdauern und sprießen im Frühling wieder aus
Rhizome können bis 7 Meter lange und 3 Meter tiefe Ausläufer bilden
Vermehrung hauptsächlich vegetativ über kleinste Rhizom- oder Stängelstücke

Bekämpfung:

Ausbaggern, ungefähr drei Meter um den Bestand und drei Meter tief.
Sechsmaliges Mähen pro Jahr, um den Bestand deutlich zurückzudrängen.

Schuster verweist auf eine Handlungsempfehlung aus der Schweiz, die von den Behörden im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verwendet wird. Ansonsten gäbe es in Thüringen bislang keine Richtlinie zur Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs. „Wichtig ist auch die Entsorgung der Pflanze, Samen und Rhizome dürfen nicht in den Kompost, sondern müssen fachgerecht thermisch entsorgt werden, beispielsweise über eine Vergärung“, rät Cornelia Schuster.

Auch Bert Schwachheim, Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes Hörsel-Nesse, hat Erfahrungen mit der invasiven Art. „Wir entnehmen die Pflanze großräumig an Stellen, wo das Material zum Hindernis für unsere Arbeit wird“, sagt Schwachheim und nennt als Beispiel einen Abschlag am Dreikronengraben. „Ansonsten managen wir die Funde. Verantwortlich ist immer der Grundstückseigentümer.“ So konnten schon kleinere Initialstandorte, wie im Lauchagrund, vom Forst beseitigt werden.