von Matthias Wenzel
Tragisches Unfallopfer an seinem 115. Todestag geehrt
Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal gedachten des Schöpfers der Wasserkunst und der Gothaer Talsperre Hugo Mairich

GOTHA. Am 19. Juli 1902 sei der Abgabetermin der Ausschreibungs-unterlagen für den Bau der Gothaer Talsperre gewesen, erzählt Jürgen Becker, der Vorsitzende des Freundeskreises Leinakanal, während der gestrigen kleinen Gedenkfeier anlasslich des 115. Todestages von Hugo Mairich an dessen Grab auf dem Hauptfriedhof.
Nur zwei Tage später setzte ein tragischer Autounfall dem Leben des gerade einmal 39-Jährigen ein vorzeitiges Ende. Trotzdem wurde die nach seinen Plänen erbaute Talsperre bei Tambach-Dietharz zu seinem Lebenswerk. Sie konnte vor nunmehr 111 Jahren eingeweiht werden, berichtet Rainer Simmen von der Thüringer Fernwasserversorgung. Zuvor skizzierte er die Lebensstationen des 1863 in Weißenfels geborenen Tiefbauingenieurs, der 1882 bereits als 19-Jähriger eine Anstellung als Bauaufseher im Büro für Kanalisation und Straßenpflasterung bei der Gothaer Stadtverwaltung erhalten hatte.
Unter seiner Leitung wurde 1888 der Hauptmarkt gepflastert. 1890 übernahm Mairich das Amt des Direktors des 1873 gegründeten städtischen Wasserwerks. Seine bereits damals begonnenen Planungen zur Umgestaltung des Schlossbergs wurden im Jahre 1895 mit dem Abriss der Bergmühle und dem Bau der vom Leinakanal gespeisten Wasserkünste - so der richtige Name - umgesetzt. Jürgen Becker fasziniert der geniale Schöpfergeist von Hugo Mairich, der selbst 115 Jahre nach seinem Tod noch allgegenwärtig ist. Er sei nicht nur ein begnadeter Tiefbauer gewesen, sondern habe sich zeitlebens für alle technischen Neuerungen begeistert. Davon zeugen beispielsweise im Archiv erhaltene Schreiben, die er bereits 1895 mit der Schreibmaschine schrieb.
Aus demselben Jahr stammte sein in Eisenach hergestelltes Automobil, mit dem er am 21. Juli 1902 zwischen Waltershausen und Laucha den Tod fand, nachdem sein Chauffeur zwei schreckhaften Bauersfrauen hatte ausweichen müssen.
Mit den Worten „Hugo Mairich, wir loben dich" endete die Gedenkveranstaltung.