Frisches Wasser für ein altes Gothaer Wahrzeichen
Gotha. Die Wasserkunst am Gothaer Schloßberg lief dieses Jahr nur sechs Wochen. Zukünftig soll sie vom Leinakanal unabhängig gemacht werden. Was die Stadt konkret plant.
Von Dirk Bernkopf, Lokalreporter in Gotha, 08.07.2026
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Der 1369 erbaute Leinakanal versorgte einst die wasserarme Residenzstadt Gotha – spendete Trinkwasser, tränkte das Vieh, trieb Mühlen an, stellte Löschwasser zur Verfügung. Heute reicht sein Wasser im Sommer nicht einmal mehr, um den Touristenmagnet Wasserkunst am „Schloßberg“ zu betreiben. Das möchte die Stadt möglichst bald ändern.
Seit dem vergangenen Jahr wird die Überlegung verfolgt, die Wasserkunst künftig unabhängig von der Wasserführung des Leinakanals zu betreiben. In diesem Jahr war die Wasserkunst lediglich sechs Wochen, von Ende April bis Anfang Juni, in Betrieb. In seinem Informationsbericht zur jüngsten Stadtratssitzung am 29. Juni griff Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) das Thema noch einmal auf und verkündete, dass die Stadt die Wasserkunst vom Leinakanal entkoppeln möchte. Dazu soll ein großes Wasserbecken als Reservoir für die Brunnenanlage dienen.
Leinakanal schützt Parkbäume vor dem Austrocknen
„Die Wasserkunst ist doch nur ein Endprodukt für den Leinakanal“, findet der Oberbürgermeister. „Der Kanal versorgt auch die Gothaer Parklandschaft, sein versickerndes Wasser bewahrt viele der alten Parkbäume vor dem Absterben.“
Kreuch favorisiert die Umstellung der Wasserkunst-Brunnenanlage auf ein Umlaufsystem. Dabei wird Wasser in einen geschlossenen Kreislauf geführt und kontinuierlich umgewälzt. „Klar muss man immer etwas Wasser nachfüllen, aber wir wären unabhängig vom Wasserstand im Leinakanal.“

Nach diesem Prinzip werden bereits nahezu alle Brunnen der Stadt betrieben, unter anderem der Neumarktbrunnen, der Myconiusbrunnen sowie der Schellenbrunnen, informiert die Stadtverwaltung. Aufgrund der Größe und Komplexität der Wasserkunst stellt die Umsetzung hohe technische Anforderungen. Erste praktische Tests haben gezeigt, dass eine Realisierung grundsätzlich möglich sei, erklärt Maik Märtin, Pressesprecher der Stadt. Zudem habe es bereits Vermessungen der unterirdischen Bauwerke gegeben.
Im Frühjahr 2026 wurden für den städtischen Haushalt 2026 auf Grundlage einer ersten Kostenschätzung Mittel in Höhe von 100.000 Euro für Planungs- und erste Bauleistungen eingestellt. Die Gesamtkosten für den Umbau sind bisher nicht bekannt.
Ohne Wasserreservoir läuft die Wasserkunst nicht
Schon jetzt benötigt die Wasserkunst für ihren Betrieb ein Wasserreservoir in Form einer Zisterne. Diese befindet sich nah der historischen Pumpenanlage von 1895 im Lucas-Cranach-Haus am Hauptmarkt. Seit 131 Jahren fließt das Wasser des Leinkanals durch ein dickes Rohr zur Pumpe und wird dann wieder 22 Meter nach oben zur Fontäne der oberen Wasserkunst gepumpt. Im Jahr 1999 wurde der Antrieb auf eine elektrische, vier kW starke Pumpe umgerüstet.

Der frühere Brunnenmeister Siegfried Stech erklärte einmal bei einer Führung durch die historische, von der Gothaer Firma Briegleb & Hansen errichtete Pumpen- und Turbinenanlage, dass zum Start der Wasserkunst 200.000 Liter Wasser benötigt wurden, der Durchfluss pro Stunde betrug 50.000 Liter.
„Ob und wo eine weitere Zisterne errichtet werden muss, ist im weiteren Planungsprozess zu prüfen“, erklärt Knut Kreuch. „Wir möchten, dass die Wasserkunst vom Gothardusfest bis zum Herbst wieder täglich läuft.“