19.03.2026
Gotha - Sundhausen
AquäduktSanierung

von Sven-Uwe Völker, Thüringer Allgemeine
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Einfach abschalten? - Das meinen die Gothaer Schlingelfreunde

Es wird sehr viel Geldkosten, den Leinakanal auf ganzer Strecke betriebsfähig zu erhalten. Muss das überhaupt sein? Und wer ist verantwortlich für das Aquädukt bei Sundhausen?

Landkreis Gotha. Der Leinakanal führt Wasser nach Gotha und ist rund 650 Jahre alt. Er ist ein technisches Meisterwerk aus dem Mittelalter. Aber: Brauchen wir ihn noch? Könnte man ihn stilllegen und sich so eine Menge Arbeit, Geld und jahrelangen Streit vor Gericht ersparen?

Diese Frage mag kaum jemand offen aussprechen, aber sie stellt sich. Vor allem mit Blick auf ein Bauwerk, ohne das der Kanal nahe Gotha-Sundhausen im Nirgendwo enden und die ICE-Trasse fluten würde. Es sei denn, man stoppt das Wasser am Oberlauf des Kanals. Oder eben ganz und gar.

Das Problembauwerk nennt sich Aquädukt. Es ist eine im Jahr 1845 nachträglich errichtete Brücke, auf deren Oberseite keine Straße verläuft, sondern eine Fließrinne für das Kanalwasser. Das Aquädukt befindet sich baulich in einem bedenklichen Zustand. Die Fundamente stehen inzwischen in einem Sumpf. Es wird vermutet, dass die Pfeiler sich absenken. Es müsste eher heute als morgen saniert werden.

In der online einsehbaren Denkmalliste des Landes Thüringen ist das Aquädukt als Einzeldenkmal vermerkt und führt über sieben Flurstücke der Gemarkung Sundhausen.

Das Aquädukt wurde 1845 gebaut. Es ist eine Wasserbrücke, für deren baulichen Unterhalt niemand verantwortlich sein möchte. 
Sven-Uwe Völker (3/ Funke Medien Thüringen
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Jugendliche Schlingel? Eher das Gegenteil!
Eine umfangreiche Arbeit von drei Studenten der Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr in Gotha nannte im April 2025 voraussichtliche Sanierungskosten von 831.000 Euro. Die Million dürfte da problemlos erreicht werden. Doch niemand fühlt sich zuständig.

Was sagt zu alldem der Freundeskreis Leinakanal? Der Verein nennt sich selbst gern die „Schlingelfreunde". Das klingt beinahe lausbübisch, als wären die Mitglieder jugendliche Schlingel. Das Gegenteil ist der Fall. Der überwiegende Teil der Mitglieder hat die 70 überschritten.

Der Begriff Schlingel bezieht sich stattdessen auf den kurvenreichen Verlauf des Kanals. Nur dadurch gelang es im 14. Jahrhundert, die Geländebeschaffenheit so zu nutzen, dass der Kanal von Schönau vor dem Walde nach Gotha gelangt und dabei die Täler umkurvt.

Riskiert Gotha, dass es eine Attraktion verliert?
„Wenn das Aquädukt zusammenfällt, ist es in Gotha aus mit der Wasserkunst und die Stadt verliert eine Touristenattraktion." Wolfgang Möller ist einer von den Schlingelfreunden, war lange Zeit sogar der Vorsitzende des Vereins. Er betrachtet die Lage sorgenvoll. Das Wasser, das über das Aquädukt fließt, gelangt nach etlichen Kilometern nach Gotha und speist hier die Wasserkunst.

Könnte man die Springbrunnen auf dem Hauptmarkt nicht einfach aus dem städtischen Wassernetz versorgen? „Das würde ja ein Wahnsinnsverbrauch", wendet Möller ein. Wenn schon, müsste man über ein Kreislaufsystem nachdenken. „Diese Anlagen müssten aber erst gebaut werden." Er halte diesen Gedanken für „illusorisch".

Niemand will das Bauwerk: Es macht nur Ärger
Nach Auffassung von Möller liegt das Hauptversäumnis in den frühen 1990er-Jahren. Zu DDR-Zeiten habe sich das Aquädukt im Eigentum des Volkes befunden, wie so vieles damals. Für ihn sei durchaus logisch, dass das Bundesamt für offene Vermögensfragen das Bauwerk später der Stadt Gotha zugeordnet habe, es befinde sich ja auf Gothaer Gemarkung.

Die Stadt Gotha wehrt sich allerdings, sogar vor Gericht. Sie möchte keinesfalls die Eigentümerin des Aquädukts sein. Man darf dreimal raten, weshalb. Stattdessen möchte Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD), dass der Bund oder das Land Thüringen oder die Deutsche Bahn die Verantwortung übertragen bekommen.

Am 21. März ist Subbotnik am Aquädukt
Die Schlingelfreunde können kaum mehr tun, als beständig auf die Bedeutung des Leinakanals hinzuweisen. Dabei belassen sie es aber nicht. Der Freundeskreis schließt sich dem Aufruf der Stadt Gotha zum Subbotnik an. Am Samstag, 21. März, von 10 bis 14 Uhr, sind Vereinsmitglieder am Aquädukt aktiv. Möller: „Wir wollen Müll aufsammeln und Wildwuchs beschneiden." Über Unterstützung durch Sympathisanten sowie Eisenbahn- und Heimatfreunde freue man sich. „Bitte ein Sammelbehältnis, eine Hacke oder eine Gartenschere mitbringen." Kostenlose Mittagsverpflegung organisiere der Verein.

Mehr als eine symbolische Tat ist dies nicht. Die Zukunft des Kanals sichert sie nicht. Im besten Fall stärkt sie die Gemeinschaft der Leinalkanal-Lobby und lenkt den Blick auf den Zustand des Aquädukts. Allerdings könnte es sein, dass der Einsatz des Vereins in einem Punkt wirklich zur Rettung des Aquädukts beiträgt. Derzeit wird nach einem Modus gesucht, wer die Reparatur der undichten Fließrinne auf dem Aquädukt veranlassen könnte. Die Stadt will es nicht tun, weil das ihre Position vor Gericht erschweren könnte. Der Verein könnte einspringen, sofern er Fördergelder erhält, von welcher Seite auch immer.