29.06.2022
Gotha
ÖffentlichkeitsarbeitErhaltungGeselliges_Vereinsleben

von Wolfgang Möller

Ein Verein mit drei Säulen

* Öffentlichkeitsarbeit, * Erhalt/Pflege des Leinakanal-Systems und * Geselligkeit stehen im Mittelpunkt

Das Aquädukt WOLFGANG MÖLLER
Das Aquädukt WOLFGANG MÖLLER

Ein Vierteljahrhundert schon kümmern sich engagierte Bürger aus Gotha und dem Landkreis um den (ur)alten Schlingel. Die Rede ist vom denkmalgeschützten Leinakanal-Flößgraben-System. 

2019 begingen die Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal e.V. das 650. Baujubiläum dieses faszinierenden, künstlichen Fließgewässers. Die erste und wichtigste Säule der Vereinsprojekte ist die Öffentlichkeitsarbeit. Mit gedruckten und digitalen Publikationen sowie mit Angeboten vor Ort werden die Geschichte und Bedeutung, aber auch die Probleme des Kanalsystems in den Focus gerückt. Mit der zweiten Säule soll etwas für die Pflege und Erhaltung getan werden, und in der dritten Säule geht es um ein geselliges Vereinsleben. Die Jahreszahl 1369 auf einer alten Steintafel von der ehemaligen Bergmühle ist das einzige Zeugnis für den Bau des Grabens aus dem Thüringer Wald nach Gotha.

Der Landgraf Balthasar hatte es veranlasst, um seine hochgelegene Burg Grimmenstein mit Wasser zu versorgen. Reinhardsbrunn war das Hauskloster und die Begräbnisstätte der Thüringer Landgrafen. Nach den Wirren der Jahrhunderte fanden die Grabplatten in der Georgenkirche zu Eisenach ihren letzten Standort. Doch ein Grabmal fehlt: Balthasar. Nach intensiven Recherchen muss folgende Bilanz gezogen werden: Der Fürst wurde 1406 mit einer (hölzernen?) Tumba in der Grabstätte seiner ersten Frau Margaretha beigesetzt. Ergo existiert keine Grabplatte.

Ein weiterer Fall von historischen Forschungen betrifft den Fischkeller auf dem oberen Hauptmarkt in Gotha. Dieser wurde lobenswerter Weise im Zuge der Hauptmarktsanierung 2021/22 von der Stadt instand gesetzt und zugänglich gemacht. Doch eine Frage ist ungeklärt: Stammt der Keller aus der Bauzeit des Kanals oder vom Ende des 19. Jahrhunderts, als Hugo Mairich die Wasserkunst errichtete und die Straßenbefestigung sowie moderne Wasser- und Abwasserleitungen für Gotha baute?

Eine zweite Säule und Pflegefall Nummer eins ist das Aquädukt. Unter der Kanalbrücke zwischen Sundhausen und Leina fuhren ab 1847 rund 150 Jahre lang die Eisenbahnzüge auf der Strecke zwischen Halle (S) und Frankfurt a. M. durch. Nach dem Bau der Nordumfahrung für den ICE-Verkehr 1994/96 ist es um das Aquädukt schlecht bestellt. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse sorgen für einen bedrohlichen Verfall des denkmalgeschützten Bauwerks. Eine Arbeitsgruppe des Vereins steckt den Finger in diese Wunde und will die Verantwortungsträger zur Rettung des Denkmals sensibilisieren. Ein erster Fingerzeig ist die Pluskarte der Deutschen Post mit Bild und Briefmarke vom Aquädukt - ein Beitrag der Schlingelfreunde zum 175. Baujubiläum der Thüringischen Eisenbahn.