Von Dirk Bernkopf , Lokalreporter Gotha
Die Stadt Gotha lehnt Übernahme des Aquädukts weiterhin ab
Projektarbeit verteidigt: Gothaer Studenten erstellen ein realistisches Sanierungskonzept für ein 180 Jahre altes technisches Denkmal. Was sie besonders wichtig finden
Gotha. Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal kämpfen seit Jahren um die Sanierung des Aquädukts. Studenten der Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr in Gotha haben im Rahmen ihrer Projektarbeit in den letzten Monaten eine Schadensdokumentation und ein Sanierungskonzept erarbeitet und vor wenigen Tagen erfolgreich verteidigt. Doch mit dem Beginn der Sanierung des 1845 errichteten Wasserbauwerks ist so schnell nicht zu rechnen.

Das Fazit ist besorgniserregend
Die Stadt Gotha schlägt das ihr zuerkannte Eigentum weiter aus. Hannah König, Marian Müller und Fiete Strathmann sichteten historische Pläne, untersuchten jeden Stein, fertigten Fugenanalysen an und begutachteten das gusseiserne Geländer. Zur Endverteidigung sind auch Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal in die Bauschule gekommen. „Unser Ziel ist es, die Langlebigkeit und Sicherheit des Aquädukts als technisches Denkmal und den öffentlichen Verkehrsweg zu sichern", erläutert Hannah König. Untersuchungen der Studenten ergaben: Die Salzbelastung des Bauwerks ist sehr hoch; die historischen Fugen sind stark verwittert; Abdeckplatten haben sich verschoben; Betonwände drücken auf das Natursteinmauerwerk; die Wasserführung ist undicht, das Geländer marode.
„Die drängendste Maßnahme ist eine Trockenlegung des Bauwerks, von oben und unten", findet Marian Müller. Die Wartungsfugen zur 2003 eingesetzte Edelstahlwanne sind undicht, sodass Wasser ungehindert in die Gewölbe laufen kann. Müller bringt eine Verlängerung der Wanne als Idee ins Spiel. Auch die am Boden noch vorhandenen Dränagenleitungen der Bahn müssten überprüft werden. Nach der Trockenlegung empfehlen die Studenten, das Geländer zu sichern. „Immerhin reden wir von einer potenziellen Absturzhöhe von knapp zehn Meter", so Müller. Weiterhin sollten die Fugen komplett neu verfugt werden sowie der Sand-, Kalk- und Travertinstein gereinigt und von Salzen befreit werden. Fiete Strathmann rechnet die von der Gruppe veranschlagten Kosten für eine Sanierung des Bauwerkes vor und kommt auf eine Bruttosumme von rund 831.000 Euro.
Die größten Posten sind die Steinsanierung und Verfugung (181.000 Euro) und die Geländersanierung (317.000 Euro). „Das ist ein realistisches Konzept mit überschaubaren Kosten", schätzt Bert Schwachheim, Geschäftsführer des für den Leinakanal zuständigen Gewässerunterhaltungsverbandes Hörsel-Nesse, nach der Verteidigung ein. „Der jetzige Zustand des Aquädukts stellt eine Gefahr dar", fasst Hannah König abschließend zusammen. „Um die Kosten für eine Sanierung zu decken, müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt werden." Und diese sollten seit diesem Frühjahr eigentlich klar sein.

Stadtverwaltung weist Verantwortung zurück
Durch einen Bescheid des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen vom 13. März 2025 wurde von Amts wegen festgestellt, dass das Flurstück 1729/13 (Gemarkung Sundhausen, Flur 7; eingetragen im Grundbuch als „Eigentum des Volkes") - vorbehaltlich privater Rechte Dritter - am 3. Oktober 1990 der Stadt Gotha übertragen worden ist. Auf diesem Flurstück befindet sich das Aquädukt. Doch die Stadt Gotha hat gegen diesen Bescheid fristgemäß Klage eingereicht, teilt Maik Märtin, Pressesprecher der Stadtverwaltung, mit.