Von Dirk Bernkopf, Lokalreporter in Gotha
Biber im Leinakanal
Wie man in Gotha einen unerwünschten Baumeister loswerden will

Gotha. Knüppeldämme im Leinakanal lassen das Wasser für die Wasserkunst versiegen. Als Verursacher steht der Biber fest. Jetzt wird ihm das Wasser einfach abgedreht.
Seit 2007 ist der Biber nach mehr als 400 Jahren Abwesenheit in Thüringen wieder heimisch, zunehmend auch im Kreis Gotha. In der Natur kann man gelegentlich seine Spuren, oft angenagte Bäume, an den Flussufern sehen. Seit Montag wird es auch den Städtern in Gotha deutlich, dass der Nager zurück ist – die Wasserkunst oberhalb des Hauptmarktes ist versiegt, durch den Leinakanal fließt kaum noch Wasser.


Für den Wassermangel im Leinakanal ist allerdings der Biber nur indirekt verantwortlich. Der Gewässerunterhaltungsverband (GUV) Hörsel/Nesse leitet das Wasser aus dem Leinakanal ab Emleben schrittweise in das Altenwasser um. Der Biber soll zu einem Umzug an das parallel laufende Gewässer bewegt werden.
Sinkender Wasserstand soll Biber zum Umzug bewegen
„Sinkt der Wasserstand, dann zieht es bei ihm in der Wohnung und er sucht sich ein neues Zuhause“, so die Hoffnung von Bert Schwachheim, Geschäftsführer GUV Hörsel/Nesse. An sieben bekannten Stellen haben die Tiere mitunter recht große Dämme im Leinakanal gebaut. Mit der Folge, dass der Wasserstand im Kanal steigt, die Uferböschung durchweicht und so Uferabbrüche entstehen können. Zudem lässt das aufgeweichte Ufer Bäume umstürzen.

Die Bautätigkeit des streng geschützten Nagers wurde erst Anfang August bekannt. „Wir erhielten Anrufe von den Betreibern der Wasserkunst und von einem Landwirt“, erinnert sich Schwachheim, „seitdem sind wir am Flitzen.“
Im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises wurden der Zulauf zum Leinakanal gedrosselt und die Biberdämme abgetragen. „Das war nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich“, bestätigt Madlen Kästner, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde. „Dass mit dem Altenwasser ein sehr nah liegendes Ausweichhabitat vorhanden ist, erleichtert die Maßnahme natürlich.“ Bereits 2022 wurde bei Emleben ein Biber so erfolgreich „umgesiedelt“.

Auch am Dienstagvormittag beseitigen die beiden Flusswerker Marko Bätzel und Norbert Sebera mit langen Gabeln wieder einen Knüppel-Damm aus dem Leinakanal zwischen Emleben und Boxberg. Mitunter müssen sie mehrmals an derselben Stelle eingreifen, schon einen Tag später kann der Biber wieder einen neuen Damm errichtet haben, oft aus demselben Material, welches erst abgetragen wurde.
„Der Biber ist ein hocheffektiver Baumeister, der mitunter schon fast eine kriminelle Energie an den Tag legt, wenn er sich dadurch Nahrung erschließen kann“, sagt Schwachheim und erklärt, dass der Nager durch einen temporären Damm ein Feld fluten kann, damit er besser an die Zuckerrüben kommt.“


Der Leinakanal soll nur für drei bis vier Wochen trocken liegen, dann muss wieder Wasser fließen. „Trocknen die Uferwände aus, dann gibt es Trockenrisse und der Schaden ist noch höher. Außerdem wird so das Herbstlaub leichter aus dem Kanal gespült“, meint Bert Schwachheim. Die Wasserkunst wird dennoch nicht wieder sprudeln, für sie beginnt im Oktober die Winterpause.
Ob das Experiment gelingt, kann niemand vorhersagen. Allerdings scheint es schon Biber am Altenwasser zu geben, vier Dämme zeugen von einer eifrigen Bautätigkeit.
