23.03.2026
Gotha
AquäduktSubbotnik

von Wieland Fischer,  Thüringer Allgemeine
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Aquädukt steht im Müll und Schlamm

Ehrenamtliche räumen das Denkmal am Leinakanal auf. Der Verein fordert klares Bekenntnis zur Rettung des Bauwerks

Gotha. Das Aquädukt des Leinakanals bietet ein trauriges Bild. Das Fundament steht im Wasser, am Ende der Edelstahlrinne läuft Wasser ins Mauerwerk, und rund um das Denkmal liegt Unrat: Kadaver, Knochen, Stühle, Teppiche, Matratzen. „Unglaublich, was manche hier abkippen", wundert sich Horst-Diether Ritz. Sogar ein Berg Autoreifen wurde von Unbekannten auf dem Weg zum Aquädukt abgeladen - begünstigt durch die abgelegene Lage abseits der StraBen, an der ICE-Strecke zwischen Leina und Gotha-Sundhausen.

Die Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal haben am Samstag beim Frühjahrsputz Müll am Aquädukt zusammengetragen; die Stadt fahre ihn ab. Das Areal gehört zur Gemarkung der Stadt Gotha. „Der Subbotnik ist unser Beitrag zum Frühjahrsputz der Stadt Gotha", sagt Stefan Riede, stellvertretender Vereinsvorsitzender aus Mühlberg, über den Arbeitseinsatz. Der Einsatz ist zugleich ein Appell, die um 1845 über die Bahntrasse errichtete Brücke mit Fließrinne grundlegend zu sanieren.

Ohne Sanierung droht weiterer Verfall
Für den Erhalt des Bauwerks reichen die Kräfte der „Schlingelfreunde" nicht aus. „Mit unseren 25 Mitgliedern und einem Durchschnittsalter von 75 Jahren können wir den Leinakanal und das Aquädukt nicht retten", so Riede. Mit 47 Jahren ist er einer der Jüngsten im Verein; das jüngste Mitglied ist nur zwei Monate jünger.

Zuerst müsse die Fließrinne an Ein- und Ablauf abgedichtet werden, denn durch undichte Fugen dringt Wasser ins Mauerwerk und läuft bis ins Fundament. Zwischen den beiden Hauptpfeilern hat sich Sumpf gebildet. Die Leinakanalfreunde stapfen durch Schlamm, um den Müll zu bergen. Es braucht jemanden, der sich des Bauwerks grundsätzlich annimmt – und ein klares Bekenntnis zur Sanierung. 

Michael Brod sieht die Stadt Gotha in der Pflicht: Ein weiterer Verfall des Leinakanals wäre ein großer Verlust, insbesondere für Gotha. Ohne Leinakanal wären Parkteiche und Wasserkunst trocken. Er erinnert daran, dass in der Amtszeit von Oberbürgermeister Volker Doenitz (SPD) 2002 die Edelstahlwanne eingebaut wurde – „leider nicht mit sicherer Abdichtung an Ein- und Abläufen", merkt Ritz an. Die Fugen müssten regelmäßig gewartet werden, mahnt Riede.

Brod erinnert, dass der heutige OB Knut Kreuch (ebenfalls SPD) seinen Amtsvorgänger zur Unterhaltung des Bauwerks damals aufgefordert habe. Weiter komme man aber auch jetzt nicht ohne klare Finanzierung und ein klares Bekenntnis.

 Eine Untersuchung der Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr in Gotha bezifferte im April 2025 die voraussichtlichen Sanierungskosten auf 831.000 Euro. Diese Summe umfasse nur das reine Bauwerk, sagt Brod. Für Fundament und Drainage wären wohl weitere Hunderttausende erforderlich. Die Ablaufschächte sind verstopft, die Entwässerung funktioniert nicht mehr, sagt Stefan Riede.

Stefan Riede verweist auf die historische Bedeutung des Leinakanals: „Ein schönes Erbe." Der Anblick des über 650 Jahre alten Bauwerks erfülle ihn mit Stolz. „Wir haben es halbwegs intakt übernommen. Es muss erhalten werden. Ich packe lieber vor meiner eigenen Haustür an, als irgendwo in der Welt zu spenden", beschreibt Riede seine Beweggründe.

Horst-Diether Ritz ergänzt: Das Aquädukt, das attraktivste Bauwerk des mehr als 40 Kilometer langen künstlichen Fließgewässers – inklusive Flößgraben, nicht zu erhalten, „wäre sträflich".

von Wieland Fischer,  Thüringer Allgemeine
www.thueringer-allgemeine.de/gotha

Aquädukt steht im Müll und Schlamm

Ehrenamtliche räumen das Denkmal am Leinakanal auf. Der Verein fordert klares Bekenntnis zur Rettung des Bauwerks

Gotha. Das Aquädukt des Leinakanals bietet ein trauriges Bild. Das Fundament steht im Wasser, am Ende der Edelstahlrinne läuft Wasser ins Mauerwerk, und rund um das Denkmal liegt Unrat: Kadaver, Knochen, Stühle, Teppiche, Matratzen. „Unglaublich, was manche hier abkippen", wundert sich Horst-Diether Ritz. Sogar ein Berg Autoreifen wurde von Unbekannten auf dem Weg zum Aquädukt abgeladen - begünstigt durch die abgelegene Lage abseits der StraBen, an der ICE-Strecke zwischen Leina und Gotha-Sundhausen.

Die Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal haben am Samstag beim Frühjahrsputz Müll am Aquädukt zusammengetragen; die Stadt fahre ihn ab. Das Areal gehört zur Gemarkung der Stadt Gotha. „Der Subbotnik ist unser Beitrag zum Frühjahrsputz der Stadt Gotha", sagt Stefan Riede, stellvertretender Vereinsvorsitzender aus Mühlberg, über den Arbeitseinsatz. Der Einsatz ist zugleich ein Appell, die um 1845 über die Bahntrasse errichtete Brücke mit Fließrinne grundlegend zu sanieren.

Ohne Sanierung droht weiterer Verfall
Für den Erhalt des Bauwerks reichen die Kräfte der „Schlingelfreunde" nicht aus. „Mit unseren 25 Mitgliedern und einem Durchschnittsalter von 75 Jahren können wir den Leinakanal und das Aquädukt nicht retten", so Riede. Mit 47 Jahren ist er einer der Jüngsten im Verein; das jüngste Mitglied ist nur zwei Monate jünger.

Zuerst müsse die Fließrinne an Ein- und Ablauf abgedichtet werden, denn durch undichte Fugen dringt Wasser ins Mauerwerk und läuft bis ins Fundament. Zwischen den beiden Hauptpfeilern hat sich Sumpf gebildet. Die Leinakanalfreunde stapfen durch Schlamm, um den Müll zu bergen. Es braucht jemanden, der sich des Bauwerks grundsätzlich annimmt – und ein klares Bekenntnis zur Sanierung. 

Michael Brod sieht die Stadt Gotha in der Pflicht: Ein weiterer Verfall des Leinakanals wäre ein großer Verlust, insbesondere für Gotha. Ohne Leinakanal wären Parkteiche und Wasserkunst trocken. Er erinnert daran, dass in der Amtszeit von Oberbürgermeister Volker Doenitz (SPD) 2002 die Edelstahlwanne eingebaut wurde – „leider nicht mit sicherer Abdichtung an Ein- und Abläufen", merkt Ritz an. Die Fugen müssten regelmäßig gewartet werden, mahnt Riede.

Brod erinnert, dass der heutige OB Knut Kreuch (ebenfalls SPD) seinen Amtsvorgänger zur Unterhaltung des Bauwerks damals aufgefordert habe. Weiter komme man aber auch jetzt nicht ohne klare Finanzierung und ein klares Bekenntnis.

 Eine Untersuchung der Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr in Gotha bezifferte im April 2025 die voraussichtlichen Sanierungskosten auf 831.000 Euro. Diese Summe umfasse nur das reine Bauwerk, sagt Brod. Für Fundament und Drainage wären wohl weitere Hunderttausende erforderlich. Die Ablaufschächte sind verstopft, die Entwässerung funktioniert nicht mehr, sagt Stefan Riede.

Stefan Riede verweist auf die historische Bedeutung des Leinakanals: „Ein schönes Erbe." Der Anblick des über 650 Jahre alten Bauwerks erfülle ihn mit Stolz. „Wir haben es halbwegs intakt übernommen. Es muss erhalten werden. Ich packe lieber vor meiner eigenen Haustür an, als irgendwo in der Welt zu spenden", beschreibt Riede seine Beweggründe.

Horst-Diether Ritz ergänzt: Das Aquädukt, das attraktivste Bauwerk des mehr als 40 Kilometer langen künstlichen Fließgewässers – inklusive Flößgraben, nicht zu erhalten, „wäre sträflich".